Die wundersame Reise eines Kastenbrotes zum Kaiser

Auf meiner letzten Samstagsausfahrt, als ich durch Salzburg fuhr, beschloß ich, endlich wieder einmal einen Teil der WM-Strecke von 2007 zu befahren. Mein Weg führte also auf der Linzer Landesstraße über Mayrwies, Hallwang und Tiefenbach zu einer der steilsten Stellen des WM-Kurses, den Aufstieg in Richtung Elixhausen. Oben angekommen führte mich mein Weg in Richtung Obertrum, auf der Mattseer Landesstraße, der Zeitfahrstrecke der damaligen WM. Ich hatte eigentlich vor, über Seeham und Berndorf in Richtung Heimat zu fahren, aber kurz vor Obertrum erreichte mich ein Gedankenblitz: Ich könnte mir doch in Mattsee wieder mal eines dieser Mattseer Schrotbrote mitnehmen, wie ich es schon seit über 30 Jahren ziemlich regelmäßig machte. Gesagt, getan, am Obertrumer Kreisel wählte ich die Ausfahrt nach Mattsee.

Dort angekommen führte mich mein Weg sofort zur Bäckerei Neuhofer am Marktplatz, wo ich schon beim Betreten des Ladens feststellen konnte daß ich heute ein Brot bekommen würde. Manchmal ist es nämlich Samstagnachmittags schon ausverkauft.

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Aber heute hatte ich Glück, die Verkäuferin verpackte es mir und zusammen mit einer vorzüglichen Mohnkrone, einem sehr, sehr guten Gebäck, verließ ich das Geschäft.

Als ich es draußen in meine Rückentasche stecken wollte, sprach das Brot auf einmal zu mir: „Du bist doch einer der RSC-Haunsbergkaiseranwärter!“. Ich war kurzzeitig sprachlos, bestätigte dann aber die Anfrage des Brotes.

Daraufhin sagte das Brot: „Ich weiß ich werde morgen über Deinen Magen diese Welt für immer verlassen. Bringe mich bitte auf den Haunsberg zur kaiserlichen Gedenkstätte. Ich möchte vor meinem Ende noch etwas kaiserliches Feeling verspüren.“

Obwohl die fortgeschrittene Zeit und das zapfige Wetter nicht unbedingt für eine Ausweitung der Tour sprachen, fühlte ich mich geradezu verpflichtet, dem Wunsch des Brotes nachzugeben und über Obertrum zum Ziel seines Begehrens zu fahren.

Ich fuhr also weiter, zwischen Obertrumer- und Grabensee zuück nach Obertrum und nahm den Aufstieg zum Haunsberg in Angriff. Es ging gleich ziemlich steil zur Sache. Während dieser Auffahrt fiel mir auf, daß ich in meiner doch schon langen Radelkarriere bestimmt noch keine 5 mal von Obertrum auf den Haunsberg gefahren war.

Nach dem ersten Steilstück wollte ich einen Beweis für die RSC-Wertungsrichter abliefern, blieb stehen und wollte mein Rad mit dem Wegweiser fotografieren. Da sprach das Brot: „Ich will auch mit auf das Bild!“. Also packte ich es aus meiner Rückentasche und legte es auf den Sattel,

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Weiter ging die Fahrt auf dem anschließenden flacheren Abschnitt. Mittlerweile hatte auch der Wind ein Einsehen mit meinem Vorhaben und schob mich kräftig aus Osten an. Die letzten Höhenmeter waren dann nur noch Formsache. Oben angekommen legte ich mein Schrotbrot am kaiserlichen Gedenkstein ab, um es mit der Gedenktafel zusammen zu fotografieren.

Bild 3

Als ich schon wieder einpacken wollte, sprach wieder das Brot zu mir: „Bevor ich morgen in Deinem Magen mein Erdendasein beenden werde, möchte ich unbedingt noch ein Selfie mit Dir haben. Ich bin Dir so dankbar, daß ich durch Deine Hilfe den kaiserlichen Segen empfangen konnte!“. Ich wollte ihm den Wunsch nicht abschlagen und selfiete deshalb die Kaiserkrone, das Brot und mich.

Bild 4

Mittlerweile war es nun schon kurz nach 5 Uhr geworden. Mit Karacho ging die Fahrt haunsbergabwärts über Oberndorf Kirchanschöring und Fridolfing, heim nach Kichheim, wo ich das Brot von seiner Verpackung befreien und im Brotkasten übernachten lassen konnte.

Am Sonntagmorgen, bevor ich das Brot aufschneiden konnte, bedankte es sich noch einmal für die ihm erwiesene Ehre vom Vortag und ergab sich seinem Schicksal.

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Ein besonderes Frühstück, mit einem besonderen Brot, was will man mehr an einem Sonntagmorgen!

Wolfgang Erler

P.S.: Die Geschichte ist wirklich wahr! Und wenn ich nicht gestorben bin, dann esse ich es morgen auf

 

 

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